Wasserverbrauch senken: Wie viele Liter braucht ein Waschgang?
Von Sebastian Hösel · Wie wir arbeiten
Ein Waschgang braucht selten mehr Wasser als eine volle Badewanne – oft deutlich weniger. Trotzdem hält sich hartnäckig der Eindruck, ein Kurzprogramm oder der Verzicht auf die Vorwäsche würden kaum etwas bringen. Wäsche waschen macht nach Zahlen des Umweltbundesamts rund 12 Prozent des täglichen Trinkwasserverbrauchs im Haushalt aus – nach Duschen/Baden und der Toilettenspülung der drittgrößte Posten. Grund genug, mit echten Zahlen statt Bauchgefühl zu arbeiten.
Wie viel Wasser verbraucht eine Waschmaschine pro Waschgang?
Ein guter Richtwert sind rund 50 Liter pro Waschgang – unabhängig vom Maschinentyp, wie Öko-Test in einer Analyse des Wasserverbrauchs von Waschmaschinen schreibt. Je nach Programm und Beladung liegt die tatsächliche Spanne bei modernen A-Klasse-Maschinen zwischen 35 und 115 Litern. Mit weniger als 30 Litern wäscht praktisch keine Maschine, mehr als 100 Liter sind die Ausnahme.
Zwei Werte aus derselben Quelle helfen bei der Einordnung: Ein gewöhnliches Schnell- oder Mix-Programm braucht 40 bis 45 Liter, das Eco-Programm je nach Beladung zwischen 30 und 70 Liter – am sparsamsten mit wenig Wäsche (rund drei Kilogramm), am durstigsten läuft laut Öko-Test die Kombination aus Baumwollprogramm und Vorwäsche.
Wo finde ich den Wasserverbrauch meiner eigenen Maschine?
Auf dem EU-Energielabel selbst steht keine Literzahl. Welche Felder das Label stattdessen zeigt, erklären wir in EU-Energielabel bei Waschmaschinen: So lesen Sie jedes Feld richtig. Der Wasserverbrauch ist trotzdem Teil der Zulassung: Die EU-Ökodesign-Verordnung 2019/2023 begrenzt den gewichteten Wasserverbrauch von Waschmaschinen, die in der EU verkauft werden dürfen, zusätzlich zur Energieeffizienzklasse – nur als eigener Messwert taucht er nicht auf dem Label-Aufdruck auf, wie auch das HEA-Fachwissen zum Energielabel bestätigt.
Den genauen Wert für Ihr Modell finden Sie stattdessen kostenlos in der EU-Produktdatenbank EPREL, in der jedes in der EU verkaufte Modell mit seinen gemessenen Werten registriert sein muss – erreichbar über den QR-Code auf dem Label oder direkt über die Registrierungsnummer. Unser eigener Katalog listet Fassungsvermögen, Energieklasse und Schleuderdrehzahl, aber bislang keine Literzahl – ein Blick in EPREL lohnt sich also, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden.
Wie unterschiedlich die Werte selbst bei aktuell verkauften Modellen ausfallen, zeigen drei Beispiele aus unserem Katalog:
| Modell | Fassungsvermögen | Wasserverbrauch (eco 40-60) |
|---|---|---|
| AEG L6FBC41478 | 7 kg | 40 l |
| Samsung WW5000C WW8ECGC04AAEEG | 8 kg | 48 l |
| LG F6WR7011 | 11 kg | 54 l |
Quelle der Messwerte: EPREL-Registrierungen AEG L6FBC41478, Samsung WW5000C WW8ECGC04AAEEG und LG F6WR7011. Kein Ranking – die drei Beispiele zeigen lediglich, wie eng die Werte trotz unterschiedlicher Größe beieinanderliegen.
Warum die Temperatur kaum etwas am Wasserverbrauch ändert
Bei den Stromkosten ist die Waschtemperatur der größte Hebel, wie wir in Stromverbrauch senken: Was kostet ein Waschgang? vorrechnen. Beim Wasser ist das anders: Ein Beispiel eines Herstellers, das im HEA-Fachwissen zu Betriebswerten veröffentlicht ist, zeigt für eine 8-kg-Maschine, dass das Baumwollprogramm bei 20, 60 und 95 °C jeweils rund 75 bis 80 Liter Wasser zieht – während der Stromverbrauch von 0,30 auf 2,45 Kilowattstunden hochschnellt. Nur das eco-40-60-Programm kommt mit 52 Litern spürbar günstiger weg. Für die benötigte Wassermenge zählen also vor allem Programm und Trommelgröße, kaum die eingestellte Temperatur.
Beispielwerte eines Herstellers für eine 8-kg-Maschine nach Angaben des HEA-Fachwissens. Die gestrichelte Linie zeigt den allgemeinen Öko-Test-Richtwert von 50 Litern.
Was kostet das Wasser pro Waschgang?
Die Wasserrechnung besteht aus zwei getrennt kalkulierten Posten, die Kommunen unterschiedlich hoch ansetzen: Trinkwasser und Abwasser. Für das reine Trinkwasser zahlen Verbraucher laut Verband kommunaler Unternehmen (VKU) im Bundesdurchschnitt rund 30 Cent pro Tag für 121 Liter – umgerechnet knapp einen Viertel-Cent pro Liter. Bei 50 Litern pro Waschgang wären das rund 12 Cent allein fürs Trinkwasser.
Die Abwassergebühr kommt separat hinzu und wird beim Rechnen gern vergessen: Das Statistische Bundesamt beziffert die reinen Abwasserkosten eines Musterhaushalts (2,02 Personen, 126 Liter Verbrauch pro Kopf und Tag) für 2025 auf rund 243 Euro im Jahr – umgerechnet ebenfalls knapp einen Viertel-Cent pro Liter. Zusammengerechnet landet ein Waschgang mit 50 Litern damit meist im Bereich von 20 bis 30 Cent für das Wasser allein, ohne Strom und ohne die separate Grundgebühr. Die genaue Summe hängt von der jeweiligen Kommune ab – sie steht auf der eigenen Wasser- und Abwasserrechnung.
Spart ein Kurzprogramm Wasser?
Meistens nicht. Öko-Test hat den Wasserverbrauch mehrerer Programmlängen verglichen und kam für Kurz-, Schnell/Mix-, Eco- und 30-Minuten-Programme auf ähnliche 40 bis 50 Liter – der Wasserverbrauch unterscheidet sich zwischen den Programmlängen kaum. Beim Strom sieht es anders aus: Ein Schnell/Mix-Programm heizt das Wasser in kürzerer Zeit auf, was mehr Energie kostet als das Eco-Programm, wie wir beim Stromverbrauch vorrechnen. Ein Kurzprogramm ist also selten die Wasserspar-Abkürzung, für die es gehalten wird – bestenfalls ist es eine Zeitspar-Abkürzung.
Wie viel Wasser sparen Vorwäsche und Extra-Spülgang – oder eben nicht?
Eine Vorwäsche ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale nur bei stark verschmutzter Wäsche nötig – sie hängt einen kompletten zweiten Waschgang vor den eigentlichen. Bei alltäglicher Wäsche lohnt es sich stattdessen, Flecken gezielt vorzubehandeln; wie das geht, zeigen wir in Flecken richtig vorbehandeln.
Auch ein zusätzlicher Spülgang kostet Wasser – und den hängen moderne Maschinen automatisch an, wenn sie zu viel Schaum erkennen. Der häufigste Grund dafür ist überdosiertes Waschmittel; wie Sie die richtige Menge für Ihr Wasser finden, steht in Waschmittel richtig dosieren.
Warum eine halbvolle Trommel pro Kilo mehr Wasser braucht
Jede Trommel braucht einen gewissen Sockelbetrag an Wasser, damit die Wäsche überhaupt benetzt wird – dieser Sockel sinkt nicht proportional mit der Beladung. Eine halbvoll beladene 9-kg-Maschine verbraucht deshalb pro Kilogramm Wäsche mehr Wasser als dieselbe Maschine voll beladen. Welches Fassungsvermögen zu Ihrem Haushalt passt, damit Sie seltener halbvoll waschen müssen, steht in Welches Fassungsvermögen passt zu meinem Haushalt?. Bei Mischwäsche mit unterschiedlichen Temperaturen hilft zusätzlich Welches Waschprogramm bei welcher Temperatur?, damit die Trommel möglichst voll und trotzdem passend beladen wird.
Wie hat sich der Wasserverbrauch über die Jahre verändert?
Ist Ihre Maschine schon etwas älter, verbraucht sie mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr, als die Herstellerangaben aus dem ersten Jahr vermuten lassen: Nach Berechnungen von Öko-Test liegt der Wasserverbrauch bei einer zehn Jahre alten Maschine rund 10 Prozent, bei einer 20 Jahre alten rund 25 Prozent über dem Neuwert. Über die Jahrzehnte ist der Trend trotzdem klar nach unten gegangen: Der Herstellerverband HEA verweist auf einen deutlichen Rückgang der Verbrauchswerte zwischen 1970 und 2010, auch wenn die Einspargewinne von Jahr zu Jahr kleiner geworden sind.
Die wichtigsten Stellschrauben auf einen Blick
- Volladung statt Teilladung: Eine volle Trommel braucht pro Kilogramm Wäsche am wenigsten Wasser.
- Eco-Programm statt Schnell/Mix: ähnlicher Wasserverbrauch, aber spürbar weniger Strom.
- Vorwäsche nur bei wirklich starker Verschmutzung, sonst Flecken gezielt vorbehandeln.
- Waschmittel korrekt dosieren, damit kein automatischer Extra-Spülgang nötig wird.
- Vor dem Kauf einen Blick in EPREL werfen, wenn der Wasserverbrauch den Ausschlag geben soll.