EU-Energielabel bei Waschmaschinen: So lesen Sie jedes Feld richtig
Von Sebastian Hösel · Wie wir arbeiten
Warum das Label seit 2021 anders aussieht
Seit dem 1. März 2021 gilt in der EU ein überarbeitetes Energielabel für Waschmaschinen. Die vertrauten Pluszeichen – A+++, A++, A+ – sind verschwunden, die Skala reicht wieder schlicht von A bis G. Grund für die Neueinstufung: Jahrelange technische Fortschritte hatten die alte Skala am oberen Ende so überfüllt, dass fast jedes neue Gerät A+++ trug. Die Klasse hatte ihre Aussagekraft verloren. Mit der Umstellung ist bewusst wieder Luft nach oben: Die meisten aktuell erhältlichen Maschinen liegen im Bereich B bis D, echte A-Geräte sind selten.
Wer noch nach der alten Logik vergleicht, tappt leicht in eine Falle. Dieser Artikel geht Feld für Feld durch, was auf dem neuen Label wirklich steht – als Ergänzung zu unserem Kaufratgeber, der die Kaufentscheidung insgesamt einordnet.
Die Energieeffizienzklasse: A bis G
Die Buchstabenklasse ergibt sich aus dem sogenannten Energieeffizienzindex (EEI) – einem Rechenwert, den Hersteller aus dem gewichteten Energieverbrauch bei Voll-, Halb- und Viertelbeladung im Programm „eco 40–60" sowie der Nennkapazität der Maschine ermitteln. Der EEI selbst steht nicht auf dem Label, nur die daraus resultierende Klasse:
| Klasse | Energieeffizienzindex (EEI) |
|---|---|
| A | ≤ 52 |
| B | 52–60 |
| C | 60–69 |
| D | 69–80 |
| E | 80–91 |
| F | 91–102 |
| G | > 102 |
Quelle für die Klassengrenzen: Delegierte Verordnung (EU) 2019/2014, Anhang II — lesbar zusammengefasst im HEA-Fachwissen zum Energielabel für Waschmaschinen.
Wichtig zu wissen: Innerhalb einer Klasse kann der tatsächliche Verbrauch zweier Modelle noch spürbar variieren – die Klasse ist eine Einordnung in eine Bandbreite, kein exakter Wert. Für den genauen Vergleich zählt die daneben abgedruckte kWh-Zahl mehr als der Buchstabe allein.
So sind die wichtigsten Felder auf dem Label angeordnet:
Quellen für dieses Schaubild: HEA-Fachwissen zum Energielabel für Waschmaschinen und die EPREL-Produktdatenbank der Europäischen Kommission.
Der gewichtete Energieverbrauch: kWh pro 100 Zyklen
Direkt unter der Buchstabenklasse steht die eigentliche Kennzahl: der gewichtete Energieverbrauch in kWh pro 100 Waschzyklen im Referenzprogramm „eco 40–60". „Gewichtet" bedeutet, dass hier nicht nur eine Volladung gemessen wird, sondern ein Mittelwert aus Voll-, Halb- und Viertelbeladung einfließt – näher an der Realität als eine reine Laborzahl bei maximaler Beladung.
Warum pro 100 Zyklen und nicht pro Jahr, wie beim alten Label? Das alte Label unterstellte einen festen Wert für die Anzahl der Waschgänge pro Jahr, um daraus eine Jahreszahl zu errechnen – das machte den Vergleich zwischen Modellen unterschiedlicher Größe unübersichtlich, weil die Annahme für alle Haushalte gleich war, unabhängig von der tatsächlichen Waschfrequenz. Die 100-Zyklen-Angabe ist dagegen eine reine Laborgröße: Sie sagt nichts darüber, wie oft Sie tatsächlich waschen, lässt sich aber unabhängig von Ihrem persönlichen Waschverhalten zwischen Modellen vergleichen. Multiplizieren Sie den Wert mit Ihrer eigenen geschätzten Anzahl an Waschgängen pro Jahr geteilt durch 100, erhalten Sie eine grobe Hausnummer für Ihren tatsächlichen Jahresverbrauch. Genauere Rechenbeispiele mit Strompreisen finden Sie in unserem Artikel zum Stromverbrauch senken.
Was bedeutet „eco 40–60" wirklich?
Alle Werte auf dem Label – Energie, Wasser, Dauer, Füllmenge – beziehen sich auf ein und dasselbe Referenzprogramm: „eco 40–60". Das ist das Programm, mit dem normal verschmutzte Baumwollwäsche, Leinen oder Mischgewebe, die laut Pflegeetikett bei 40 °C oder 60 °C waschbar sind, im selben Testzyklus gereinigt wird. Es ist bewusst als effizienteste Vergleichsbasis definiert – in der Praxis meist die längste, aber sparsamste Option unter den Programmen einer Maschine, oft als „Eco", „Green" oder mit ähnlicher Bezeichnung im Bedienfeld zu finden. Weil alle Hersteller nach derselben Norm auf demselben Programm testen müssen, sind die Zahlen auf zwei Labels tatsächlich vergleichbar – anders als Herstellerangaben zu proprietären Schnellprogrammen, die nirgends genormt sind.
Wasserverbrauch pro Zyklus
Neben dem Strom steht der gewichtete Wasserverbrauch in Litern pro Zyklus – ebenfalls gemessen im „eco 40–60"-Programm. Diese Zahl lohnt einen zweiten Blick, weil Energie- und Wasserverbrauch nicht immer parallel laufen: Manche effizienten Maschinen sparen vor allem beim Strom, andere vor allem beim Wasser. Wer auf die Gesamt-Ressourcenbilanz achtet, vergleicht beide Werte nebeneinander statt nur auf die Energieklasse zu schauen.
Schleudereffizienzklasse: Was die Restfeuchte verrät
Die Schleudereffizienzklasse (ebenfalls A bis G) sagt, wie viel Restfeuchte nach dem Schleudern in der Wäsche verbleibt – gemessen in Prozent des Trockengewichts. Je niedriger die Restfeuchte, desto weniger Energie braucht anschließend ein Wäschetrockner oder desto schneller trocknet die Wäsche auf der Leine:
| Klasse | Restfeuchte nach dem Schleudern |
|---|---|
| A | ≤ 45 % |
| B | 45–54 % |
| C | 54–63 % |
| D | 63–72 % |
| E | 72–81 % |
| F | 81–90 % |
| G | ≥ 90 % |
Quelle: HEA-Fachwissen zum Energielabel für Waschmaschinen.
Für die Praxis heißt das: Wer regelmäßig im Trockner nachtrocknet, profitiert von einer guten Schleudereffizienzklasse doppelt – weniger Reststrom in der Waschmaschine hilft wenig, wenn der Trockner danach umso mehr braucht.
Geräuschemissionsklasse: A bis D
Seit der Neufassung gibt es zusätzlich eine Geräuschemissionsklasse, gemessen während des Schleuderns in Dezibel (dB(A)):
| Klasse | Schallleistung beim Schleudern |
|---|---|
| A | < 73 dB(A) |
| B | 73–77 dB(A) |
| C | 77–81 dB(A) |
| D | ≥ 81 dB(A) |
Quelle: HEA-Fachwissen zum Energielabel für Waschmaschinen.
Das ist vor allem relevant, wenn die Maschine in einer offenen Küche, im Wohnbereich oder in einem Mehrfamilienhaus mit dünnen Wänden steht. Eine niedrigere Geräuschklasse bedeutet nicht automatisch eine niedrigere Energieklasse oder umgekehrt – beide Werte sollten getrennt geprüft werden, wenn Ruhe beim Schleudern wichtig ist.
Programmdauer und Füllmenge – zwei Zahlen, die zusammengehören
Programmdauer und Füllmenge stehen ebenfalls für das „eco 40–60"-Programm auf dem Label: die Nenngröße in Kilogramm, für die alle anderen Werte gelten, und die Laufzeit des Programms bei dieser Beladung. Wichtig: Die sparsamste Klasse ist oft mit einer spürbar längeren Programmdauer verbunden – ein Effizienzprogramm arbeitet meist mit niedrigerer Temperatur über längere Zeit statt kurz und heiß. Wer die Füllmenge falsch zur Haushaltsgröße wählt, verschenkt entweder Kapazität oder überlädt die Maschine regelmäßig; einen Überblick dazu bietet unser Artikel zum passenden Fassungsvermögen.
QR-Code und EPREL: die Datenbank hinter dem Label
Oben rechts auf jedem Label – ob am Gerät im Laden oder in einem Online-Shop – ist ein QR-Code Pflicht. Er führt zur europäischen Produktdatenbank EPREL (European Product Registry for Energy Labelling), die seit dem 1. März 2021 auch für Verbraucher zugänglich ist. Hersteller und Importeure müssen jedes Modell dort registrieren und die technischen Daten hinterlegen, bevor es in der EU verkauft werden darf. Wer über den QR-Code oder direkt über die EPREL-Website nachschaut, findet die vollständigen technischen Angaben zum jeweiligen Modell – nützlich, wenn ein Label im Geschäft schwer lesbar ist oder Sie ein Modell online ohne physisches Label vor sich haben.
Worauf es beim Vergleich wirklich ankommt
Ein paar praktische Regeln, bevor Sie Modelle nebeneinanderlegen:
- Buchstabe ist Einstieg, nicht Endpunkt. Zwei Maschinen derselben Energieeffizienzklasse können unterschiedliche kWh-Werte haben – vergleichen Sie die Zahl, nicht nur den Buchstaben.
- Energie und Wasser getrennt betrachten. Ein Gerät kann bei Strom vorn liegen und bei Wasser zurückfallen.
- Schleudereffizienz mitdenken, wenn Sie trocknen. Eine schlechtere Klasse hier kostet Sie später beim Trockner.
- Füllmenge zur tatsächlichen Haushaltsgröße passend wählen – die Label-Werte gelten für die angegebene Nenngröße, nicht automatisch für jede Beladung.
- Bei Zweifeln den QR-Code scannen und die EPREL-Daten des konkreten Modells gegenprüfen.
Am einfachsten lassen sich mehrere Modelle mit allen Label-Werten nebeneinander in unserem Vergleichstool gegenüberstellen, statt Label für Label einzeln durchzugehen.
Modelle der Klasse A finden sich quer durch alle Preisklassen — etwa die Bosch Serie 2 WGE02420 mit 7 kg oder die AEG Serie 6000 ProSense LR6A65480 mit 8 kg.
Kurz zusammengefasst
- Seit 1. März 2021 gilt die Skala A–G ohne Pluszeichen – neu eingestuft und strenger als vorher.
- Der gewichtete Energieverbrauch steht in kWh pro 100 Zyklen im Programm „eco 40–60", nicht mehr als Jahreswert.
- Wasserverbrauch, Schleudereffizienzklasse (Restfeuchte), Geräuschklasse, Programmdauer und Füllmenge gehören zusammen gelesen, nicht isoliert.
- Der QR-Code führt zur EPREL-Datenbank mit den vollständigen technischen Daten jedes registrierten Modells.
- Für den Modellvergleich zählt die genaue Zahl mehr als der Buchstabe – nutzen Sie Klasse und Kennzahl gemeinsam.