Stromverbrauch senken: Was kostet ein Waschgang?

Von Sebastian Hösel · Wie wir arbeiten

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Ein Waschgang läuft nebenbei – die Stromrechnung sieht man erst Monate später. Dabei lässt sich schon vorher ziemlich genau ausrechnen, was eine Ladung Wäsche kostet, und vor allem: woran das liegt. Die Antwort ist in den meisten Fällen dieselbe – die Temperatur. Wer versteht, wie stark das Aufheizen des Wassers zu Buche schlägt, kann mit denselben Kleidungsstücken und derselben Maschine spürbar Geld sparen, ohne auf saubere Wäsche zu verzichten.

Was ein Waschgang 2026 wirklich kostet

Die Formel ist denkbar einfach:

Kosten = Stromverbrauch (kWh) × Strompreis (€/kWh)

Der Strompreis schwankt je nach Vertrag erheblich. Laut der aktuellen Strompreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) lag der durchschnittliche deutsche Haushaltsstrompreis 2026 bisher bei rund 37 Cent pro Kilowattstunde. Je nach Tarif reicht die Spanne von etwa 26 Cent in günstigen Neukundentarifen bis über 42 Cent in der Grundversorgung. Für die Rechenbeispiele in diesem Artikel legen wir 37 Cent/kWh zugrunde – ersetzen Sie den Wert einfach durch Ihren eigenen Tarif, um Ihre persönlichen Kosten zu ermitteln.

Wie stark der Verbrauch selbst schwankt, zeigen Messwerte für eine gängige, einige Jahre alte Waschmaschine bei unterschiedlichen Temperaturen:

TemperaturStromverbrauch je WaschgangKosten bei 37 Ct/kWh
30 °Cca. 0,29 kWhca. 11 Cent
40 °Cca. 0,49 kWhca. 18 Cent
60 °Cca. 0,90 kWhca. 33 Cent
90 °Cca. 1,47 kWhca. 54 Cent
Stromverbrauch pro Waschgang nach Temperatur Balkendiagramm: Eine Wäsche verbraucht bei 30 Grad rund 0,29 kWh, bei 40 Grad 0,49 kWh, bei 60 Grad 0,90 kWh und bei 90 Grad 1,47 kWh. Bei 37 Cent je Kilowattstunde entspricht das rund 11, 18, 33 und 54 Cent pro Waschgang. kWh je Waschgang (Beispielmaschine) 0,5 kWh 1,0 kWh 0,29 kWh 30 °C ≈ 11 Ct 0,49 kWh 40 °C ≈ 18 Ct 0,90 kWh 60 °C ≈ 33 Ct 1,47 kWh 90 °C ≈ 54 Ct

Rechnen Sie das gern auf Ihren eigenen Alltag hoch: Bei rund drei Waschgängen pro Woche macht es über ein Jahr einen Unterschied von grob 60 bis 70 Euro, ob Sie überwiegend bei 30–40 °C oder bei 60 °C waschen.

Warum die Temperatur der größte Kostentreiber ist

Nicht die Trommelbewegung, sondern das Aufheizen des Wassers frisst den größten Teil des Stroms. Setzt man den Verbrauch bei 60 °C als Referenz (100 %), kommt eine 30-°C-Wäsche mit rund 30 % davon aus, eine 40-°C-Wäsche mit etwa 50 %, während 90 °C den Verbrauch auf über 150 % treibt. Eine Kochwäsche bei 90 °C verbraucht damit etwa doppelt so viel Strom wie dieselbe Ladung bei 60 °C.

Deshalb ist die Wahl des Temperaturprogramms der wirksamste Hebel, um die Stromkosten der Waschmaschine zu senken – deutlich wirksamer als etwa die Wahl des Schleuderprogramms oder der Marke.

Waschen bei 20, 30, 40 °C oder doch 60 und 90 °C?

Nicht jede Wäsche gehört in dieselbe Temperatur. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, normal verschmutzte Alltagswäsche bei 30–40 °C zu waschen und nur gelegentlich – etwa einmal im Monat – eine 60-°C-Wäsche einzuplanen, um Keimen und Waschmittelrückständen in der Maschine vorzubeugen.

TemperaturbereichTypischer EinsatzEnergieaspekt
20 °CLeicht getragene Synthetik- und Mischwäsche, kurze ProgrammeKaum Wasser wird erwärmt – der niedrigste Verbrauch der Temperaturskala
30–40 °CAlltagswäsche, Buntwäsche, die meisten Textilien laut PflegeetikettDeckt den Großteil des Wäschebergs ab, moderater Verbrauch
60 °CHandtücher, Bettwäsche, gelegentliche HygienewäscheDeutlich höherer Verbrauch, aber wichtig gegen Keime und Geruch
90 °C ("Kochwäsche")Stark verschmutzte weiße Baumwolle, medizinisch empfohlene FälleHöchster Verbrauch, im Alltag selten nötig

Wenn in der Maschine unangenehmer Geruch auftritt, kann eine gelegentliche 60-°C- oder 90-°C-Wäsche Teil der Lösung sein – mehr dazu und zu weiteren Ursachen lesen Sie im Ratgeber Waschmaschine stinkt: Ursachen und Lösungen.

Das Eco-Programm: sparsam, aber nicht schneller

Viele Nutzer wundern sich, warum das Eco-Programm oft am längsten läuft – und trauen ihm deshalb nicht recht über den Weg. Ein Test von ÖKO-TEST zeigt aber, warum das kein Widerspruch ist: Beim geprüften Eco-40-60-Programm heizte die Maschine das Wasser tatsächlich nur auf rund 29 °C auf, brauchte dafür aber knapp drei Stunden für 4,5 kg Wäsche und verbrauchte dabei rund 0,34 kWh. Das Schnell-/Mix-40-Programm derselben Maschine heizte dagegen auf bis zu 41 °C, war nach etwa einer Stunde fertig – verbrauchte aber mit rund 0,64 kWh fast doppelt so viel Strom.

Eco-Programm vs. Schnellprogramm Laut einem Test verbraucht das Eco-40-60-Programm rund 0,34 kWh bei knapp drei Stunden Laufzeit und einer tatsächlichen Temperatur von rund 29 Grad. Das Schnell-Mix-40-Programm verbraucht rund 0,64 kWh bei etwa einer Stunde Laufzeit und bis zu 41 Grad. 0,34 kWh Eco 40-60 ≈29 °C, ca. 3 Std., ≈13 Ct 0,64 kWh Schnell/Mix 40 bis 41 °C, ca. 1 Std., ≈24 Ct

Der Grund für die lange Laufzeit: Bei niedrigerer Temperatur muss die Maschine die fehlende Hitze durch Zeit ausgleichen – Wasser und Waschmittel wirken länger auf die Fasern ein, damit die Wäsche trotzdem sauber wird. Das Eco-Programm ist außerdem kein Marketing-Label, sondern die gesetzlich vorgeschriebene Referenz für das EU-Energielabel: Alle Verbrauchsangaben auf dem Label – Strom, Wasser, Programmdauer, Schleuderwirkung – werden im Programm "eco 40–60" ermittelt, nicht im Schnellprogramm. Wer im Alltag möglichst günstig waschen will, fährt mit dem Eco-Programm in aller Regel am besten, sollte dafür aber die längere Laufzeit einplanen oder die Maschine per Zeitvorwahl nachts laufen lassen.

Volle Trommel, günstigere Wäsche pro Kilo

Die Maschine heizt für eine halbvolle Trommel fast dieselbe Menge Wasser auf wie für eine volle – der Energieaufwand pro Kilogramm Wäsche ist bei voller Beladung deshalb am niedrigsten. Wer regelmäßig nur halb beladene Maschinen laufen lässt, heizt im Ergebnis öfter auf, als nötig wäre, um dieselbe Wäschemenge sauber zu bekommen.

Moderne Maschinen mit Mengenautomatik erkennen per Sensor, wie viel Wäsche tatsächlich in der Trommel liegt, und passen Wassermenge, Energieeinsatz und Programmdauer entsprechend an – das mildert den Nachteil kleiner Ladungen etwas ab, ersetzt eine volle Trommel aber nicht vollständig. Als Faustregel gilt: Warten Sie, wenn möglich, bis die Maschine voll ist, statt zwei Halbladungen zu fahren. Wie groß die Trommel für Ihren Haushalt überhaupt sein sollte, erklärt der Ratgeber Waschmaschine kaufen: Der große Kaufratgeber 2026 – als Orientierung gelten grob 5–6 kg für Einzelhaushalte und 7–8 kg für Familien.

Was die kWh-Angabe auf dem EU-Energielabel wirklich bedeutet

Seit dem 1. März 2021 tragen Waschmaschinen ein EU-Energielabel mit den Klassen A bis G – von dunkelgrün (A, effizientest) bis rot (G, ineffizientest). Grundlage der Einstufung ist der gewichtete Energieverbrauch im Programm "eco 40–60" bei Voll-, Halb- und Viertelbeladung, umgerechnet auf Kilowattstunden je 100 Waschzyklen und ins Verhältnis zur Nenn-Füllmenge der Maschine gesetzt. Als grobe Orientierung gilt: Sehr sparsame Maschinen liegen bei unter 50 kWh je 100 Zyklen im Eco-Programm – das entspricht rechnerisch deutlich unter 0,5 kWh pro Waschgang.

Wichtig zu wissen: Der Wert auf dem Label bezieht sich immer auf das Eco-Programm, nicht auf ein Schnellprogramm oder eine 60-°C-Wäsche. Zwei Maschinen mit identischer Energieeffizienzklasse können sich im Alltag trotzdem unterscheiden, wenn Sie überwiegend andere Programme oder Temperaturen nutzen. Beim Neukauf lohnt sich neben der Effizienzklasse ein Blick auf Kategorien wie Frontlader oder Waschtrockner sowie ein direkter Vergleich mehrerer Modelle im Vergleichstool, bevor Sie sich für ein Gerät entscheiden.

Schleuderdrehzahl: Strom sparen an der Maschine oder am Trockner?

Die Schleuderdrehzahl selbst kostet nur wenig zusätzlichen Strom, hat aber großen Einfluss darauf, wie viel Restfeuchte in der Wäsche bleibt – und damit darauf, wie viel Energie ein nachfolgender Wäschetrockner braucht:

  • Bei 1.000–1.200 U/min bleibt die Wäsche mit rund 60 % Restfeuchte vergleichsweise nass.
  • Bei 1.400 U/min sinkt die Restfeuchte auf knapp über 50 %.
  • Bei 1.600 U/min liegt sie nur noch bei rund 40–50 %.

Je feuchter die Wäsche aus der Waschmaschine kommt, desto mehr Wärme muss der Trockner erzeugen – und genau das Aufheizen kostet im Trockner den meisten Strom. Für Haushalte, die regelmäßig einen Trockner nutzen, lohnt sich deshalb eine Maschine mit mindestens 1.400 U/min. Wer seine Wäsche überwiegend auf der Leine trocknet, kann bei der Schleuderdrehzahl entspannter sein und muss diesen Faktor bei der Stromrechnung kaum einplanen.

Die wichtigsten Spartipps auf einen Blick

  • Eco-Programm zur Gewohnheit machen: spart laut Testdaten grob die Hälfte des Stroms gegenüber einem Schnellprogramm bei gleicher Temperatur – die längere Laufzeit lässt sich meist per Zeitvorwahl in die Nacht legen.
  • Wo möglich 30–40 °C statt 60 °C wählen und die 60-°C-Wäsche auf hygienisch notwendige Fälle beschränken (laut Verbraucherzentrale reicht dafür etwa einmal im Monat).
  • Maschine voll, aber nicht überladen beladen – das senkt den Verbrauch pro Kilogramm Wäsche am stärksten.
  • Vorwäsche nur bei wirklich starker Verschmutzung zuschalten – ein zusätzlicher Vorwaschgang kostet spürbar mehr Strom und Wasser als nötig.
  • Beim Neukauf auf Energieeffizienzklasse und kWh/100-Zyklen-Angabe achten, nicht nur auf den Anschaffungspreis.
  • Bei Trocknernutzung mindestens 1.400 U/min schleudern, um die Restfeuchte und damit die Trocknerlaufzeit zu senken.

Fazit: Rechnen Sie mit Ihrem eigenen Tarif

Die Formel bleibt immer dieselbe: Verbrauch in kWh mal Ihr persönlicher Strompreis pro kWh. Schon mit den Werten aus diesem Artikel lässt sich abschätzen, dass die Temperaturwahl über die Zeit deutlich mehr ausmacht als die Wahl der Maschine selbst – ein Grund mehr, das Eco-Programm nicht als lästige Wartezeit, sondern als eingebauten Sparmodus zu betrachten.

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