Waschmaschine mit Hausmitteln reinigen: Was wirkt wirklich?

Von Sebastian Hösel · Veröffentlicht am · Aktualisiert am · Wie wir arbeiten

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Natron, Essig, Zitronensäure, Soda, Backpulver: Die Liste der Hausmittel für die muffige oder verkalkte Waschmaschine ist lang, und die meisten Anleitungen versprechen von allen dasselbe. Dabei hat eine Waschmaschine zwei völlig verschiedene Sorten Schmutz, und kein einzelnes Hausmittel erledigt beide. Dieser Beitrag prüft, was jedes Mittel tatsächlich tut, wofür es nichts taugt und wo es der Maschine schaden kann. Wo und wie oft Sie reinigen, steht in der Pflege-Routine für die Waschmaschine; hier geht es nur um die Mittel.

Zwei Schmutzsorten, zwei Chemien

Kalk besteht aus Calciumcarbonat und ist in Wasser kaum löslich. Nach Angaben des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) lösen Säuren wie Zitronen- oder Essigsäure Kalk auf[1], allerdings ist ihre Wirkung gegen Fett „sehr gering“.

Biofilm, Fett und Waschmittelreste sind das Gegenteil: organischer Schmutz aus Feuchtigkeit, Fusseln und Rückständen. Dagegen helfen laut IKW[2] basische Salze wie Natron und Soda, die als Laugen gut gegen fetthaltigen Schmutz wirken. Und es hilft Hitze: Die Verbraucherzentrale[3] nennt eine 60-Grad-Wäsche mit pulverförmigem Vollwaschmittel, weil dessen Bleichmittel auf Sauerstoffbasis auch Pilze und Bakterien abtötet.

Daraus folgt die wichtigste Regel dieses Artikels: Säure und Lauge sind Gegenspieler. Wer einen modrigen Geruch mit Entkalker bekämpft, löst Kalk statt der Ursache; wer Kalk mit Natron angeht, nimmt ein Mittel, das gar keine Säure ist. Warum Geruch meist am Biofilm liegt, steht in Waschmaschine stinkt: Ursachen und Lösungen.

Der Überblick: Welches Mittel gegen welches Problem?

Hausmittel für die Waschmaschine im Überblick Matrix aus sieben Mitteln und drei Spalten: Kalk lösen, Fett, Reste und Keime, Hinweis der Quellen. Säuren lösen Kalk, Laugen wirken gegen Fett. Kalk lösen Fett, Reste, Keime Hinweis der Quellen Natron Nein basisch, keine Säure Ja, gegen Fett VZ: mit Bleichmittel Nie mit Säure mischen hebt sich auf Soda Nein basisch, keine Säure Ja, gegen Fett IKW: wirkt als Lauge Augenreizung Kennzeichnung (IKW) Backpulver – keine Aussage Schwach Säure hebt Natron auf Mehl, Stärke sind selbst Schmutz Essig, Essigessenz Ja Säure löst Kalk Kaum Säuren wirken kaum Dichtungen gefährdet Bauknecht, VZ, Bosch Zitronensäure Ja Säure löst Kalk Kaum Säuren wirken kaum Hersteller uneinig Bosch warnt davor Vollwaschmittel 60 °C – keine Aussage Ja Bleiche tötet Keime Standardempfehlung monatlich (UBA, VZ) Hygienespüler – keine Aussage Unnötig im gesunden Haushalt Desinfektionsmittel UBA: verzichtbar Grün: wirkt · Rot: wirkt nicht oder Risiko · Gelb: schwach, bedingt oder mit Vorbehalt · –: in den Quellen nicht belegt VZ = Verbraucherzentrale, IKW = Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel, UBA = Umweltbundesamt

Die Bewertung folgt den Quellen im Text; ein Strich heißt, dass keine der geprüften Quellen dazu etwas sagt.

Natron: Fettlöser, kein Entkalker

Natron ist basisch; Öko-Test[4] beschreibt es als Stoff, der Säuren neutralisieren kann. Genau deshalb löst es keinen Kalk: Das tun Säuren. Seine Stärke liegt beim Fett; Öko-Test[4] nennt es außerdem antibakteriell.

Konkrete Mengen nennen nur zwei der geprüften Quellen, und sie weichen voneinander ab. Die Verbraucherzentrale[3] gibt 50 Gramm Natron plus einen Esslöffel Bleichmittel auf Sauerstoffbasis in das Hauptwäschefach und lässt die leere Maschine bei 40 °C laufen. Öko-Test[5] verteilt 40 Gramm auf Vorwasch- und Hauptwaschfach, gibt zehn Gramm in die Trommel und wählt die höchste Temperatur ohne Wäsche. Daraus lässt sich nur ablesen: Es gibt keine einheitliche Rezeptur, und die Verbraucherzentrale[3] kombiniert Natron bewusst mit einem Bleichmittel.

Backpulver ist nicht Natron

Backpulver enthält zwar Natron, aber auch Säuren und Mehl oder Stärke als Trennmittel. Laut IKW[2] neutralisieren diese Säuren das Natron und heben damit die reinigende Wirkung auf; Mehl und Stärke sind beim Putzen sogar selbst Schmutz. Wer Natron meint, sollte reines Natron kaufen und kein Backpulver.

Soda: kräftiger, aber kein Freifahrtschein

Soda (Natriumcarbonat) ist wie Natron basisch, nach Utopia[6] aber deutlich stärker, und damit auch reaktionsfreudiger. Der IKW[2] weist darauf hin, dass Soda mit „Achtung“ und dem Gefahrenhinweis „Verursacht schwere Augenreizung“ gekennzeichnet werden muss. Für die Waschmaschine selbst haben wir weder bei den Herstellerseiten noch bei Verbraucherzentrale oder Umweltbundesamt eine Anleitung mit Soda gefunden; deshalb nennen wir hier keine Dosierung. Wenn Sie Soda ausprobieren wollen, folgen Sie der Packungsangabe und dem Hinweis in der Bedienungsanleitung Ihrer Maschine.

Essig und Essigessenz: die riskante Säure

Hier sind sich die Quellen ungewöhnlich einig. Bauknecht[7] nennt Essig „eine aggressive Substanz“, die Gummidichtungen und Kunststoffschläuche angreifen kann, und warnt vor unverdünnter Anwendung. Die Verbraucherzentrale[3] schreibt kurz: „Essig ist nicht geeignet, weil er die Dichtungen angreifen kann.“ Öko-Test[5] hält ihn höchstens für das Waschmittelfach für vertretbar, nicht für Dichtungen und Schläuche. Der IKW[1] ergänzt, dass Essigessenz einen stechenden Geruch hat, besonders beim Erhitzen, und dass konzentrierte Essigsäure ab 25 Prozent als ätzend gekennzeichnet werden muss.

Das ist kein Nebenschauplatz, denn Essig ist das Hausmittel, das am häufigsten empfohlen wird. Es löst Kalk, ja – aber wer eine Säure braucht, hat mit Zitronensäure oder einem Maschinen-Entkalker Alternativen, vor denen Bauknecht nicht ausdrücklich warnt.

Zitronensäure: löst Kalk, aber auch hier uneinig

Zitronensäure löst Kalk wie Essigsäure, hat nach dem IKW[1] aber einen sehr geringen Eigengeruch. Ob sie die Dichtungen schont, beantworten die Hersteller unterschiedlich: Bauknecht[7] hält sie für besser geeignet als Essig, Bosch[8] schreibt dagegen, Hausmittel wie Essig oder Zitronensäure seien für die Gummiteile „sehr aggressiv“, und empfiehlt einen eigenen geprüften Maschinenreiniger. Auch bei der Menge gehen die Angaben auseinander: Bauknecht[7] nennt dort sieben bis acht Esslöffel bei 40 °C, die Verbraucherzentrale[3] rund 120 Gramm in einem halben Liter Wasser gelöst bei 60 °C ohne Vorwäsche. Der komplette Ablauf mit Pausenzeit steht in Waschmaschine entkalken: wie oft und womit. Prüfen Sie vorab, was Ihre Bedienungsanleitung sagt, denn sie geht allen Haushaltsrezepten vor.

Natron und Säure mischen? Das Sprudeln täuscht

Das beliebteste Missverständnis: Natron und Zitronensäure oder Essig gemeinsam in die Maschine, damit es kräftig schäumt. Öko-Test[4] beschreibt, dass die Säure mit dem basischen Natron reagiert und aufschäumt, und nennt die Kombination einen effektiven Abflussreiniger. Dort darf die Reaktion stattfinden. In der Waschmaschine heißt das Schäumen vor allem, dass sich die beiden Stoffe gegenseitig aufbrauchen. Der IKW erklärt es so: Säuren neutralisieren in Wasser das Natron und heben seine reinigende Wirkung auf[2]. Wenn Sie beides ausprobieren wollen, dann nacheinander in getrennten Läufen, nicht zusammen.

Das unspektakuläre Mittel: Vollwaschmittel bei 60 °C

Am besten belegt ist das langweiligste Verfahren. Das Umweltbundesamt[9] empfiehlt, gegen Keimwachstum in der Maschine einmal im Monat bei 60 °C mit pulverförmigem Vollwaschmittel zu waschen; die Verbraucherzentrale[3] nennt dasselbe Vorgehen. Spezielle Hygienespüler hält das Umweltbundesamt in gesunden Haushalten für unnötig[10]. Wenn Rückstände das Problem sind, beginnt es oft beim Dosieren: Waschmittel richtig dosieren.

Eine Ausnahme gilt für Geräte mit eigenem Reinigungsprogramm. Samsung schreibt, dass für die Trommelreinigungsprogramme keine herkömmlichen Reiniger verwendet werden sollen[11], weil chemische Rückstände Wäsche oder Trommel beschädigen können. Schauen Sie deshalb zuerst in die Bedienungsanleitung.

Kurz zusammengefasst

  • Kalk: Säure (Zitronensäure; Essig mit Vorbehalt). Natron, Soda und Backpulver lösen keinen Kalk.
  • Geruch, Fett, Biofilm: Hitze und Vollwaschmittel mit Sauerstoffbleiche; Natron eher mit Bleichmittel als allein.
  • Essig: Vorsicht, mehrere Quellen warnen für Dichtungen und Schläuche.
  • Natron plus Säure: hebt sich auf, das Schäumen ist keine Reinigungsleistung.
  • Backpulver: nicht dasselbe wie Natron.
  • Zu Geschirrspültabs in der Waschmaschine haben wir keine belastbare Herstellerangabe gefunden und bewerten sie deshalb nicht.
  • Im Zweifel gilt die Bedienungsanleitung Ihrer Maschine.

Quellen

  1. ↑ a b c IKW: Essig und Zitronensäure – Lebensmittel als Putzhelfer? (2018) (ikw.org)
  2. ↑ a b c d IKW: Backpulver, Natron, Soda – Lebensmittel als Putzhelfer? (2018) (ikw.org)
  3. ↑ a b c d e f Verbraucherzentrale: Wenn die Waschmaschine müffelt (verbraucherzentrale.de)
  4. ↑ a b c Öko-Test: Natron im Haushalt – 10 Anwendungsmöglichkeiten (oekotest.de)
  5. ↑ a b Öko-Test: Was tun, wenn die Waschmaschine stinkt? Die besten Hausmittel (oekotest.de)
  6. ↑ Utopia: Soda vs. Natron – gibt es da einen Unterschied? (utopia.de)
  7. ↑ a b c Bauknecht: Waschmaschine entkalken – So geht's richtig (bauknecht.de)
  8. ↑ Bosch: Waschmaschine entkalken mit Hausmitteln (bosch-home.com)
  9. ↑ Umweltbundesamt: Umweltbewusst waschen und reinigen (umweltbundesamt.de)
  10. ↑ Umweltbundesamt: Hygiene im Privatbereich (umweltbundesamt.de)
  11. ↑ Samsung: Tipps zur Pflege der Waschmaschine (samsung.com)