Waschmaschine mieten oder kaufen: Was sich wirklich lohnt

Von Sebastian Hösel · Wie wir arbeiten

Die eigene Waschmaschine kostet beim Kauf schnell einen mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Betrag – kein Wunder, dass Anbieter wie All-in+ oder Grover mit einer monatlichen Miete werben, die sich erst einmal handlicher anfühlt. Ob das wirklich günstiger ist, hängt aber weniger vom Werbeversprechen ab als von der Rechnung dahinter. Die macht dieser Artikel auf, mit echten Tarifen von September 2026.

Lohnt sich eine Mietwaschmaschine?

Für die meisten Haushalte, die eine Waschmaschine dauerhaft nutzen, ist der Kauf über die Lebensdauer des Geräts günstiger als eine Miete. Die Mietkosten holen den Kaufpreis in aller Regel innerhalb von zwei bis vier Jahren ein – eine Waschmaschine hält aber deutlich länger. Mieten lohnt sich vor allem dort, wo Kaufen aus anderen Gründen keine Option ist: bei fehlendem Startkapital, bei einer absehbar befristeten Nutzung oder wenn der Rundum-Service aus Lieferung, Reparatur und irgendwann Austausch mehr wert ist als der Preisunterschied. Die folgenden Abschnitte zeigen, woran das im Einzelfall hängt.

Wer bietet 2026 noch Waschmaschinen zur Miete an?

Der Markt ist kleiner, als die Werbung vermuten lässt, und er hat sich verschoben. Otto betrieb mit Otto Now lange einen eigenen Mietshop für Haushaltsgeräte – der Dienst wurde eingestellt, nimmt seit Jahren keine Neukunden mehr an und blieb nur für bestehende Verträge bestehen. Wer heute nach einer Mietwaschmaschine sucht, landet vor allem bei zwei Anbietern:

  • All-in+ (bis vor Kurzem als BlueMovement bekannt) ist der Hausgeräte-Vermietservice von Bosch und Siemens selbst. Er unterscheidet zwei Modelle, wie Bosch selbst erklärt: All-in+ Yours ist im Kern eine 0-Prozent-Finanzierung – das fabrikneue Gerät gehört Ihnen ab dem ersten Tag, nur die Kaufsumme wird in Raten bezahlt. All-in+ Use ist die tatsächliche Miete: Sie bekommen ein von Bosch aufbereitetes Gebrauchtgerät, zahlen dafür spürbar weniger im Monat und geben es am Ende zurück, ohne es je besessen zu haben. Ein aktuelles Beispiel: eine aufbereitete Bosch WGG244ZR10 kostet bei All-in+ Use 15,99 Euro im Monat bei 24 oder 48 Monaten Mindestlaufzeit, dazu einmalig 49 Euro Servicegebühr – Lieferung, Anschluss und Reparatur während der gesamten Laufzeit sind darin enthalten, eine Kaution wird nicht verlangt.
  • Grover ist ein herstellerunabhängiger Mietmarktplatz für Technik und Haushaltsgeräte. Eine neue Bosch Serie 6 WAU28R9A mit 9 kg Fassungsvermögen kostet dort beispielsweise ab 23,90 Euro im Monat, ebenfalls bei 24 Monaten Mindestlaufzeit und danach monatlich kündbar, wie es die Grover-AGB vorsehen. Anders als bei All-in+ prüft Grover bei jeder Bestellung ausdrücklich die Bonität per Schufa-Abfrage – ohne bestandene Prüfung kommt kein Vertrag zustande.

Was kostet Mieten wirklich – und ab wann lohnt sich der Kauf?

Die folgende Beispielrechnung stellt einem realen Kaufpreis aus unserem Katalog zwei reale Mietangebote gegenüber:

Kauf (Beispiel)All-in+ UseGrover
BeispielgerätBosch Serie 4 WAN282K4, 8 kg, Energieklasse ABosch WGG244ZR10, aufbereitetBosch Serie 6 WAU28R9A, neu, 9 kg
Preis749 Euro einmalig15,99 Euro/Monat + 49 Euro einmaligab 23,90 Euro/Monat
Mindestlaufzeit24 oder 48 Monate24 Monate
Gezahlt nach 24 Monaten749 Eurorund 433 Eurorund 574 Euro
Gezahlt nach 48 Monaten749 Eurorund 817 Eurorund 1.147 Euro
Eigentum am Endesofortnie (Rückgabe)nur über Kaufoption

Quellen für die Tarifbeispiele: All-in+-Produktseite Bosch WGG244ZR10 und Grover-Angebot Bosch Serie 6 WAU28R9A; der Kaufpreis stammt aus unserem eigenen Katalog: Bosch Serie 4 WAN282K4.

Kauf vs. Miete: kumulierte Kosten über 48 Monate Liniendiagramm mit drei Linien: einmaliger Kaufpreis von 749 Euro für eine Bosch Serie 4 WAN282K4, monatliche Mietkosten bei All-in+ Use mit 15,99 Euro pro Monat plus 49 Euro einmalig, und bei Grover mit 23,90 Euro pro Monat. Die Mietkosten überholen den Kaufpreis nach rund 44 beziehungsweise 31 Monaten. 0 € 400 € 800 € 1.200 € 0 12 24 36 48 Monate seit Vertragsbeginn / Kauf Kauf: 749 € einmalig All-in+ Use: 15,99 €/Monat Grover: 23,90 €/Monat

Beispielrechnung auf Basis der oben genannten, im September 2026 abgerufenen Tarife. Andere Modelle und Anbieter verschieben die Zahlen, das Muster bleibt aber ähnlich.

Die Rechnung ändert sich mit jedem Modell und Tarif, aber das Muster bleibt: Beide Mietangebote sind so kalkuliert, dass sie den Kaufpreis binnen weniger Jahre einholen. Stiftung Warentest kommt für Miet-Anbieter von Technik und Elektronik allgemein – getestet wurden unter anderem Grover sowie mehrere Werkzeug-Vermieter – zu einem ähnlichen Schluss: Mieten funktioniert technisch zuverlässig, lohnt sich finanziell aber vor allem bei kurzfristigem oder seltenem Bedarf, nicht als dauerhafter Ersatz für den Kauf. Was ein einzelner Waschgang an Strom und Wasser kostet, ändert sich durch Mieten oder Kaufen ohnehin nicht – das rechnet unser Ratgeber zum Stromverbrauch vor.

Was gehört Ihnen am Ende des Vertrags?

Das hängt vom Modell ab, und der Unterschied ist größer, als der gemeinsame Markenname vermuten lässt:

Wann ist Mieten trotzdem die klügere Wahl?

Die Rechnung oben gilt für den Normalfall: eine Maschine, die Sie über Jahre nutzen. Es gibt Situationen, in denen Mieten trotzdem sinnvoll ist:

  • Kein Startkapital: Sie müssen nicht mehrere Hundert Euro auf einmal aufbringen, sondern zahlen einen festen, kalkulierbaren Monatsbetrag inklusive Reparaturservice.
  • Planungssicherheit statt Reparaturrisiko: Geht das Gerät kaputt, zahlen Sie nichts drauf. Bei einer gekauften Maschine tragen Sie das Risiko nach Ablauf der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistung selbst – während die genannten Mietangebote die Reparatur ohnehin über die gesamte Vertragslaufzeit übernehmen.
  • Wirklich befristeter Bedarf: Beide Anbieter verlangen für Haushaltsgeräte allerdings meist 24 Monate Mindestlaufzeit. Für einen sechsmonatigen Auslandsaufenthalt taugt das Modell also kaum; erst nach der Mindestlaufzeit wird die monatliche Kündigung zur echten Flexibilität.

Die Alternative, die oft übersehen wird: gebraucht kaufen

Wer vor allem das hohe Startkapital scheut, muss nicht gleich mieten. Eine geprüfte gebrauchte Maschine kostet oft nur einen Bruchteil des Neupreises und gehört ohnehin sofort Ihnen – unsere Checkliste für den Vor-Ort-Check zeigt, worauf Sie achten sollten, damit daraus kein teurer Fehlkauf wird. Für einen Ein- oder Zweipersonenhaushalt reicht dabei oft schon ein kompakteres Modell wie der Bauknecht W7 S6300 A mit 7 kg Fassungsvermögen. Wer stattdessen neu kaufen möchte, findet die wichtigsten Kriterien in unserem großen Kaufratgeber sowie passende Modelle im Katalog und im Vergleich.

Bevor Sie unterschreiben: die Checkliste

  • Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist so, wie sie im Vertrag stehen – nicht die Werbezeile
  • Was bei einem Schaden passiert und ob eine Selbstbeteiligung anfällt
  • Ob und wie streng die Bonitätsprüfung ausfällt – bei Grover ausdrücklich per Schufa-Abfrage
  • Ob und zu welchem Preis am Vertragsende eine Kaufoption besteht
  • Wer Lieferung und Abholung zahlt und ob eine Kaution fällig wird
  • Der tatsächliche Vertragspartner – Hersteller-Tochter oder unabhängiger Marktplatz –, denn das entscheidet, an wen Sie sich im Streitfall wenden

Und falls die eigene, gekaufte Maschine nach Ablauf der Gewährleistung kaputtgeht, bevor eine neue Anschaffung oder gar ein Mietvertrag die einzige Option scheint: Ein Reparaturbetrieb in der Nähe lässt sich über unser Verzeichnis nach Postleitzahl und Umkreis suchen. Ob sich Reparatur oder Neukauf eher lohnt, klärt unser Vergleichsartikel.

Fazit

Kaufen ist für die weit überwiegende Mehrheit der Haushalte die günstigere Lösung, sobald eine Waschmaschine länger als zwei bis drei Jahre läuft – und das tun die meisten. Mieten ist kein Schnäppchen, sondern ein Preis für Flexibilität und Sorglosigkeit: kein Startkapital, kein Reparaturrisiko, dafür am Ende meist mehr bezahlt als beim Kauf. Wer das bewusst in Kauf nimmt, trifft eine informierte Entscheidung – wer Mieten für grundsätzlich billiger hält, hat die Rechnung oben noch nicht gemacht.

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